Michael Schultz Daily News Nr. 967

Michael Schultz Daily News Nr. 967

Berlin, den 30. Juni 2015

der griechische Ministerpräsident Tsipras hat gestern in einer Fernsehansprache angekündigt, dass die heute fällige Rate in Höhe von 1.6 Milliarden Euro an den IWF nicht beglichen wird. Damit wird ernst, was bisher als nur als Muskelspiel interpretiert wurde. Nachdenkliche Gesichter sah man deshalb gestern rund ums Kanzleramt. Dorthin hatte die Kanzlerin das Führungspersonal aller im Bundestag vertretenen Parteien eingeladen. Unverständnis kam von den Grünen; deren Vormann Hofreiter erklärte vor laufenden Kameras, dass eine weitere Hilfe für Griechenland an der Summe von 400 Millionen Euro scheiterte. Dieser Betrag stand zwischen den Forderungen aus Brüssel und den Zugeständnissen der griechischen Regierung. Angesichts der Milliarden, die für den Ausstieg investiert werden müssten, wahrlich Peanuts.

Das Auslaufen des Hilfsprogramms werde ohne eine dramatische Zuspitzung ablaufen, meint hingegen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Er sehe keine Gefahr für eine Ansteckung anderer Euro-Länder. Große Teile seiner Partei sehen das inzwischen genauso, und wünschen sich einen schnellen und möglichst geräuschlosen ˈGrexitˈ. Einzig Kanzlerin Angela Merkel ist für weitere Verhandlungen mit Athen offen, allerdings erst nach dem für Sonntag angesetzten Referendum. Sollte es zum ˈGrexitˈ kommen, käme auch unsere Kanzlerin nicht ohne Blessuren davon. Ihr Eintrag in die Geschichtsbücher würde dann um ein dunkles Kapitel erweitert. Ihre starre Haltung hat die Situation befördert, die sie jetzt so bedauert. SPD-Chef Sigmar Gabriel will abwarten, wie sich die Griechen am kommenden Sonntag entscheiden; vielmehr ist ihm dazu auch nicht eingefallen. 

Am Abend gestern feierte die CDU ihren 70sten Geburtstag. In ihrer Festrede rief die Kanzlerin mit deutlichen Worten zur Veränderungsbereitschaft und Selbstkritik auf. Die CDU-Vorsitzende forderte Demut vor Erkenntnissen und Errungenschaften Anderer. Die CDU habe die Weisheit nicht gepachtet, sagte Merkel vor rund 600 Gästen. Sie betonte aber, die Partei habe einen klaren politischen Kompass und Mut.

'Wir haben auch mal falsch gelegen. Das sollte uns demütig machen beim Suchen von Lösungen', sagte die Kanzlerin anlässlich des Festaktes. Griechenland und die Homo-Ehe; zwei von vielen Themen, die noch fest in der Hand der Altvorderen ihrer Partei sind, und, die verhindern, dass die CDU in der Zeit ankommt, in der wir leben. 

Die rechtspopulistische AfD gibt es auch noch, auch wenn ihre Werte in den Umfragen deutlich nach unten gesunken sind. Als Konsequenz auf die griechische Finanzkrise fordert jetzt AfD-Chef Bernd Lucke den Rücktritt der deutschen Regierung, berichtet der 'Stern'. Der Staatsbankrott Griechenlands sei so gut wie unvermeidbar. Die Regierung sei mit einem zentralen Element ihrer europäischen Politik gescheitert und dürfe nicht so weitermachen wie bisher, erklärt Lucke. Richtig wäre es, wenn die Bundesregierung nun Neuwahlen ausriefe...

Bei allem Unbill der den Alltag gerade so beherrscht, machen wir das, was wir am besten können: wir kümmern uns um die Belange unserer Künstler. Aus Venedig ist zu berichten, dass die internationale Presse auf die Arbeit von Römer + Römer, SEO und Helge Leiberg aufmerksam geworden ist. Im Besonderen wurden  ihre Werke  in der asiatischen Presse gewürdigt. Auch gibt es für Leinwandarbeiten von SEO, Sabina Sakoh und Bernd Kirschner ernsthaftes Kaufinteresse. Eine von Jean Y. Klein auf der Triennale ausgestellte Skulptur wurde bereits für den Verbleib von einem angesehenen Museum reserviert.

Die gerade zu Ende gegangene Ausstellung von Rebecca Raue gehört zu den erfolgreichsten der jüngeren Vergangenheit. Großes Interesse, viele Besucher und gute Verkäufe. Besser geht es kaum noch. Mit großer Begeisterung wurde auch die Erstlingsshow von Florencia Walfisch angenommen; ein starker erster Auftritt. Beide Ausstellungen wurden am vergangen Samstag von Christiane Meixner im 'Tagesspiegel' beschrieben; nachzulesen unter http://www.schultzberlin.com/de/newsticker.

In dieser Woche geht es weiter: am Freitag eröffnet die Kunsthalle in Dresden mit Udo Nöger, und ab Samstag zeigen auch wir Neues aus dem Atelier des auf Hawaii beheimateten Künstlers. Parallel dazu wird Maik Wolf eröffnet, und am Sonntag geht es in die Kunsthalle nach Rostock zur Eröffnung der Burkhard Held- Ausstellung. Genaueres dazu in den kommenden Tagen.  

Der Sommer ist endlich da, und es gibt viel zu tun. Am Freitag soll im äußersten Westen die 40 Grad-Marke geknackt werden. Es wird heiß; endlich.

 

 

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