Michael Schultz Daily News Nr. 743

Michael Schultz Daily News Nr. 743

Berlin, den 13. August 2014

Liebe Freunde,

beim Blick in die Agenda der B und C Politprominenz steht für den heutigen Tag Fotoshooting im Programm. Alles was laufen und einen Kranz tragen kann, eilt zu den Gedenkstätten des Mauerbaues; dort warten die Praktikanten der Verlagshäuser mit Schreibblock und Fotoapparat. Heute vor 53 Jahren wurde mit dem Bau der Berliner Mauer begonnen; ein willkommener Anlass für die untere Schublade unserer Volksvertreter mal wieder im Rampenlicht zu stehen. Die Reden der letzten Jahre sind rausgekramt und werden wieder gehalten; das Publikum wird immer älter und deshalb kommen auch immer weniger. Aber, man kennt sich und freut sich über das Wiedersehen. In Berlin ist es der regierende Klaus Wowereit, der einen Kranz an der zentralen Gedenkstätte für den Mauerbau niederlegen darf. Zeit zur Besinnung wird er kaum haben, die nicht zu bewältigenden Baustellen um ihn herum belasten und kratzen an seinem Image. Aus dem einstigen Sonnyboy der Sozialdemokraten ist ein schwer gebeutelter Regierungschef geworden. Seine Sympathiekurve geht stetig nach unten, wenn morgen in Berlin gewählt werden würde gäbe es ihn übermorgen nicht mehr. Doch Wowereit, von vielen unterschätzt, ist ein alter Polithase. Er wird zum richtigen Zeitpunkt mit den notwenigen Maßnahmen dafür sorgen, dass die Berliner, die ihn eigentlich lieben, wieder zu ihm stehen. Morgen jedenfalls, erleben wir ihn im bunten Blätterwald der Lokalpresse als Staatsmann, der die Schleifen am Kranz der Erinnerung zurechtrückt.

Ganz andere Sorgen haben die Lokalpolitiker in Göttingen. Dort soll ein in Bronze gegossener onanierender Kragenbär als Denkmal für den vor acht Jahren verstorbenen Satiriker Robert Gernhardt erinnern. Mit seinem Spruch: 'Der Kragenbär, der holt sich munter einen nach dem anderen runter', sicherte sich Gernhardt einst einen guten Platz in den vordersten Reihen der Weltliteratur. Die Lokalpolitiker allerdings sind von dem Entwurf des Kasseler Bildhauers Siegfried Böttcher nicht wirklich überzeugt; der Bär wurde dem Werk des Satirikers nicht gerecht, darin sind sich CDU und SPD einig. Die SPD-Politikerin Dagmar Schlapeit-Beck ist gar der Ansicht, dass der Bär 'keine tiefergreifende Botschaft als den sexuellen Tabubruch' darstelle. Im September will die Ratsgesellschaft weiterberaten. Ob der Bär mit voller Pracht jemals in Göttingen zu sehen sein wird, steht in den Sternen. 

Hillary Clinton, und das ist ja kein großes Geheimnis, bereitet sich auf den Wahlkampf für die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA vor. Es wird wohl gegen einen Sprössling aus der Bush-Familie gehen. Dort ist man gewappnet und positioniert sich. Dass die Wahlkämpfe in den USA auch zu Schlammschlachten ausufern können, ist aus der Vergangenheit wohlbekannt. Dem alten Clinton wollte man einst seine Oval-Office-Beziehung zur Praktikantin Monica Lewinsky zum Verhängnis werden lassen, doch die Loyalität seiner Frau verhinderte dies. Damit das Thema während ihrer Kandidatur nicht wieder aufkocht, geht Hillary Clinton in die Offensive: In einem Interview der US-Frauenzeitung 'Tina' bekannte sie, dass es ihr schwergefallen sei, ihrem Mann zu verzeihen, aber sie tat es 'und es hat mich gestärkt. Es befreit einen, wenn man im Leben den Punkt erreicht, an dem man spürt, dass man vergeben kann', sagte sie und ergänzte 'wenn man nicht über das hinwegkommt, was einem geschehen ist, sperrt man sich selbst ein und schadet nur sich'. Auf die neuaufkochenden Gerüchte, dass Bill Clinton aktuelle Affären unterhält, geht sie nicht ein. 

Bei allem was man so über unsere Staatsoberhäupter zu hören bekommt, so sollten wir unseren Politikern auch ein wenig Abwechslung gönnen. Je näher wir sie mit ihren Privatleben an das unsere heranlassen, desto volksnaher könnte ihre Politik aussehen. Affären, so schmerzhaft sie auch sind, sind womöglich das letzte noch intakte Fossil des Urmenschen. Sie gehören zum festen Bestandteil unserer Zivilisation und sind damit auch schützenswert. Warum immer wieder nachtreten; das war doch schon auf dem Schulhof verpönt. Einzig die Geschlechterverteilung bei der Aufdeckung der Affären ist ungerecht. Darüber sollte man reden. In der Statistik kommen die Politdamen so gut wie gar nicht vor. Angela Merkel, ohne ihren Regierungssprecher und Sicherheitspersonal, ganz allein mit Florian Silbereisen in der Gondel zum Watzmann. Das wär doch mal was. Nicht nur für die bunten Blätter - auch für uns.  

Richtig entspannen kann Edi Rama, Ministerpräsident von Albanien, wenn er mit den Zeichenstiften in seinem Terminkalender zu Gange ist. Das Regierungszimmer ist gleichzeitig sein Atelier, aus seinem Amtssitz wurde ein Museum in eigener Sache. Rama ist mit Leib und Seele Künstler, und das will er auch während seines Job's als Staatschef bleiben. 

Auf dem Schreibtisch des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama wird nicht nur der politische Alltag bewältigt: Es wird von morgens bis abends auch Kunst produziert. Die Blätter seines Terminkalenders dienen als Grundlage; darauf skizziert werden meist stark farbige, surreale Bildfantasien. Zeichnen sei für ihn der beste Ausgleich zu seiner Arbeit als Politiker.

 

Gestern erreichte uns die Nachricht vom Tod des US-Komikers Robin Williams. Wie viele seiner Kollegen vor ihm wählte auch er den Freitod. Um ganz sicher zu gehen schnitt er sich vor dem erhängen noch die Pulsadern auf. Alkohol und Drogen hatten den von Trauer beseelten Schauspieler in tiefe Depressionen gestürzt. Unvergessen bleibt sein Werk, im Besonderen die tragikomische Rolle in 'Good Morning Vietnam'. Heute wurde bekanntgeben, dass auch Lauren Bacall gestorben ist. An der Seite ihres Ehemannes Humphrey Bogart gehörte sie zu den Stars des 'Goldenen Zeitalters' in Hollywood. Ebenso wir ihr Kollege Willams, der für die Nebenrolle in 'Good Will Hunting' 1998 einen Oscar erhielt, wurde Lauren Bacall im Jahre 2009 mit der begehrten Oscar-Auszeichnung für ihr Lebenswerk geehrt.                                        

Aus Portugal erreicht uns eine tragische Geschichte: Beim Selfie-Knipsen an der portugiesischen Atlantikküste stürzte ein polnisches Ehepaar vor den Augen ihrer fünf und sechs Jahre alten Kinder in den Tod. Das Unglück geschah am 140 Meter hohen Felsenkap 'Cabo de Roca', rund 40 Kilometer westlich von Lissabon. Die Eltern waren über eine Sicherheitsabsperrung geklettert, um eindrucksvollere Bilder machen zu können und stürzten dabei vor den Augen ihrer verzweifelten Kinder in die Tiefe. 

Heute Abend, auch wenn das gerade nicht so richtig passt, gibt es Fußball. Um 18.00 Uhr (ZDF) spielt Dortmund gegen die Bayern. Es geht um den Supercup, mit dem keiner so richtig was anfangen kann. Für beide Teams aber geht es ums Prestige. Im letzten Jahr gewannen die Westfalen das Duell mit 4:2 und die Bayern dafür das Double. Wenn es in diesem Jahr umgekehrt läuft, hätte kaum jemand was dagegen.
Viel Spaß beim Zusehen.

Gruß

Michael