Michael Schultz Daily News Nr. 738

Michael Schultz Daily News Nr. 738



Berlin, den 6. August 2014

Liebe Freunde,

seit vielen, vielen Jahren kümmert sich Bernie Ecclestone um die Geschehnisse im Formel 1 Zirkus. Aus der Motorsportveranstaltung schuf er einen Milliardenkonzern. Interna zufolge kümmert sich Ecclestone dabei um jedes auch noch so kleine Detail höchst persönlich. Angeblich, so wird berichtet, wird selbst die Ausgabe von VIP-Ausweisen von ihm persönlich überprüft. Er sei ein absoluter Kontrollfreak, ist aus seinem Umfeld zu hören.

Als die Rennserie von der Investmentfirma CVC vor sieben Jahren gekauft wurde, ließ sich der umtriebige Ecclestone zum Geschäftsführer der Formel 1 einsetzen. CVC hatte Teile der Formel 1 damals von der Münchner Landesbank Bayern übernommen. Einige Jahre später wurde bekannt, dass im Zuge des Erwerbs an den zuständigen Bankmanager Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar überwiesen wurden. Laut Staatsanwaltschaft floss das Geld, um den Deal in Ecclestones Sinne zu beeinflussen. Dieses wurde von ihm bestritten; er wiederum sagte, dass er von Gribkowsky erpresst wurde, 'er war sehr gut darin, mich subtil zu bedrohen und mich in Angst zu versetzen'. Das Landgericht München bewertete die Prozessanklage und war der Meinung, dass sich der Tatvorwurf der Bestechung nicht erhärten ließe und stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit und gegen Zahlung einer Geldauflage von 100 Millionen Dollar ein. 

Respekt kann man da nur sagen. Einfacher und schneller kann die Staatskasse nicht gefüllt werden. Ecclestone ist mit seinen 83 Jahren zwar noch ein drahtiger Bursche, im Falle einer Verurteilung hätte er aber mit Sicherheit die Gerichte bis auf den Sankt Nimmerleinstag beschäftigt und nach den Regeln der Arithmie wäre der Gute im Verlaufe des Prozessierens verstorben. Kein Urteil, keine Strafe sagten sich die Richter wohl und gingen auf das Angebot mit den 100 Millionen ein. Für den Staat eine ausbaubare Geschäftsidee.

Als der Gesetzgeber im Jahre 1974 den Paragraphen 153a in die Strafprozessordnung aufgenommen hatte, war an Fälle wie diesen nicht zu denken. Es ging in erster Linie um Kleinkriminalität, die den Gerichten viel Arbeit bereiteten. Mit der Zahlung gegen Einstellung schuf der Gesetzgeber aber auch eine Möglichkeit, geringfügig strafbar Gewordene vor einer Vorstrafe zu bewahren.

Im Fall Ecclestone haben sich durch die (Neu-) Auslegung des Paragraphen 153a neue Möglichkeiten eröffnet: Mit ausreichend Barschaft lässt sich ab sofort so manche justiziable Bedrohung vom Tisch wischen. Der Ablasshandel erlebt einen zweiten Frühling. In unseren durch den Katholizismus geprägten Moralregeln ist das ja auch nichts Verwerfliches. Im Unterschied zur priesterlichen Beichte jedoch, wo die Wahrheit auf den Tisch kommt, gehts vor Gericht nur noch um Kohle. Je mehr, desto schneller wird eingestellt.

Die Höhe der Zahlung habe mit der Einstellung des Verfahrens nichts zu tun, äußerte sich der Sprecher des Gerichts. Diese werde nach den Vermögensverhältnissen festgelegt. Wie immer man den Fall auch bewertet: Einerseits sind 100 Millionen US Dollar nicht von der Hand zu weisen, andererseits besteht die Gefahr, dass durch die immense Höhe auch die Preise für die Kleinkriminellen mit in die Höhe getrieben werden. Und diese wären dann die Leidtragenden.

Warum ein deutsches Gericht die Einstellungssumme gegen einen britischen Staatsbürger ausgerechnet in US Dollar festgelegt hat, verstehe wer wolle. Ecclestone hätte mit Sicherheit die 100 Millionen auch in Euro überwiesen.

Beste Grüße.

Michael