Michael Schultz Daily News Nr. 719

Michael Schultz Daily News Nr. 719



Berlin, den 10. Juli 2014

Liebe Freunde,

minimalistisch, wie bisher bei allen Spielen der derzeitigen WM, gewannen die Argentinier auch gestern und erst im Elfmeterschießen mit 4:2 ihr Halbfinale gegen die Niederlande. Kein spannendes, kein aufregendes Match. Ein bisschen Messi, ein wenig Robben und das wars schon. Beide Teams waren taktisch blockiert. Besonders die Holländer litten unter der Spielvorgabe ihres Trainers,  letztlich sind sie auch daran gescheitert. Louis van Gaal hat zu sehr gepokert, er selbst hat sich als das alleinentscheide Genie vor der Qualität seiner Mannschaft posiert; das Ergebnis ist das Scheitern des holländischen Teams.

Die Südamerikaner sind unsere Gegner im Finale, und wenn es annährend so gut läuft wie vorgestern, dann dürfte am Sonntag eigentlich nichts anbrennen. Als haushoher Favorit geht die Löw-Truppe ins Endspiel; zum dritten Mal im Übrigen trifft das deutsche Team dort auf Argentinien. 1986 hatten die Südamerikaner die Nase vorn und 1990 waren wir die Sieger. Jetzt also geht es auch noch um die Vorherrschaft in den Finalsiegen. 

Viel geheult wurde auch gestern wieder; in den Reihen der Niederländer waren es Tränen der Trauer und bei der Messi-Truppe Freudentränen. Überhaupt floss viel Wasser in den vergangen Tagen, unvergessen der tränenreiche TV-Auftritt des brasilianischen Abwehrspielers David Luiz: 'Ich wollte nur meinem Volk Freude bereiten. Allen, die so viel zu leiden hatten. Ich möchte mich bei allen Brasilianern entschuldigen.' Emotional geladene Worte der Versöhnung. Platz 3 muss her, das ist die Forderung des Trainers. Unter dem Gesichtspunkt, dass im holländischen Team zunächst mal der Trainer wieder aufgebaut werden muss, kein unrealistisches Ziel. Als guter Verlierer erwies sich Arien Robben, der nach dem Spiel sagte, dass keiner damit rechnen konnte, mit dieser jungen Mannschaft ins Halbfinale zu kommen. Eine Leistung, an die niemand, nicht nur im Traum, zu glauben wagte. Losgelöst von der Bayerntruppe sind das alles feine Persönlichkeiten, ob Shakiri, Kross, Neuer oder Schweinsteiger - sie alle verrichten auf dieser WM auch viel PR-Arbeit für das komplizierte Image ihres Vereins.

Trotz Fußball dreht sich die Welt weiter, wenn auch ein wenig langsamer. Zwischen den Israelis und den Palästinensern schraubt sich die Spirale der Gewalt weiter. Nach israelischen Luftangriffen in Gaza stieg die Zahl der Toten auf über 60, auch einer der Extremistenführer der Hamas wurde bei einem Raketenangriff tödlich verletzt. Israels Premier Benjamin Netanjahu droht den Hamas-Radikalen mit neuen Attacken, und der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wirft Israel Völkermord vor. Mit der derzeitigen israelischen Regierung sei in der Region kein Frieden möglich, beurteilte der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor in einem ZDF-Interview die Eskalation. Die erzkonservativen Siedler alleine haben das Sagen, und mit ihnen sind keinerlei Konzessionen möglich.  Auch Jordanien verurteilt den israelischen Beschuss als barbarische Aggression. 

Bei uns im Land erschüttert das Bekanntwerden eines weiteren US-Spionagefalls die Gemüter. Ein Referent im Verteidigungsministerium wird der Spionage für die USA verdächtigt, er sei durch Kontakte mit mutmaßlichen US-Geheimdienstlern ins Visier des Militärischen Abschirmdienstes geraten. Für heute wird erwartet, dass  Haftbefehl gegen ihn erlassen wird. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen forderte die US auf, Konsequenzen zu ziehen. Kanzlerin Angela Merkel wich einer Bewertung des neuen Verdachts aus, ihr Sprecher Steffen Seiffert allerdings sprach von einem sehr, sehr ernst zu nehmenden Vorfall. Die Dummheit der Amerikaner ist kaum zu übertreffen, so ähnlich äußerte sich unser Finanzminister Schäuble. Nicht dass er den Spionagefall an sich kritisierte, er wundert sich über die Auswahl des  'drittklassigen' amerikanischen Spionagepersonals.  Gut möglich, dass die Spitze des Eisbergs noch lange nicht in Sicht ist, und dass das Spitzenpersonal des amerikanischen Spionagerings bestens getarnt seine Arbeit weiter verrichtet. 

Gestern noch wurde alles dementiert, heute kommt die Wahrheit auf den Tisch: In einem Schreiben seiner Anwälte gab der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann zu, die Droge Crystal Meth erworben und einen Monat lang konsumiert zu haben. Eine Abhängigkeit habe sich daraus nicht entwickelt. Eine von ihm veranlasste medizinisch-psychiatrische Untersuchung könne dies bestätigen. Hartmann habe sich erhofft, mit dem Drogenkonsum leistungsfähiger zu sein. Bei den Ermittlungen gegen ihn ging es um eine Menge von 3 Gramm Crystal Meth. Bei der Bundestagsverwaltung, so eine bisher unbestätigte Meldung, denke man darüber nach, die Position eines hauseigenen Drogenbeauftragten zu installieren. Nur so könne man die Vielfalt der aufkommenden Drogenfälle in den Griff bekommen, und die abhängigen mit professioneller Hilfe durch ihre Sucht begleiten.

Weitaus ernster ist das finanzielle Dilemma zum Erhalt  von UNESCO-Welterbestätten.  Der UNESCO fehlt es laut ihres Direktoriums an Geld und Personal. UNESCO habe nicht mehr die Ressourcen, um armen Ländern beim Erhalt der Kulturschätze zu helfen. Jedes Jahr werden mehr Welterbe-Stätten der Liste hinzugefügt, doch das Geld werde immer knapper. Seit USA und Israel die Mitgliedschaft Palästinas boykottieren, zahlen sie nicht mehr in den Welterbefond ein. Das vorhandene Geld wird an der falschen Stelle, für die Organisation von Welterbekomitees, ausgegeben. http://rdir.de/g.html?uid=A.B.qgK.jh4.LIE.82rhQtMq3ERxqkjaWvoOeA

Über die Vorwürfe gegen Helge Achenbach, den Tausendsassa des rheinischen Kunsthandels, ist in den vergangenen Tagen viel geschrieben worden. Doch Genaueres weiß man immer noch nicht; alles Vermutungen, die auf spärliche Informationen angestellt sind. Achenbach sitzt in Haft, weil die Erbin des verstorbenen Sohnes eines der Aldi-Gründer der Meinung ist, dass ihre Familie bei der Anschaffung von Kunstwerken und Oldtimer Fahrzeugen von ihm übervorteilt wurde. Der Vorwurf lautet auf Betrug, weil Achenbach trotz Vereinbarung angeblich zweimal kassiert haben soll: einmal von der Käuferfamilie Albrecht, und ebenso von den Verkäufern. Der Schaden soll sich auf rund 20 Millionen belaufen, doch das alles sind Mutmaßungen. Hinter den Beschuldigungen der Witwe, und das hört man auch immer wieder heraus, liegen womöglich persönliche Gründe. Bei der ungewöhnlich intensiven Öffentlichkeit dieses Falls werden mit Sicherheit auch die wahren Gründe eines Tages ans Licht kommen.

Zum Endspiel der WM am Sonntag in Rio haben die Kanzlerin und ihr Präsident offensichtlich noch Tickets bekommen. Die Reisen sind wohl schon gebucht. Bisher ist nichts bekannt darüber, ob die beiden Linie fliegen, oder jeweils mit ihrer eigenen Airline antreten. Doch, gönnen wir's ihnen.

Beste Grüße.

Michael