Michael Schultz Daily News Nr. 714

Michael Schultz Daily News Nr. 714



Shenzen, den 3. Juli 2014

Liebe Freunde,

in früheren Zeiten, als es noch keine Massentierhaltung und industriell strukturierte Schlachtfabriken gab, wurden die Schweine zur Schlachtung unter Mithilfe Unerschrockener und unter dem Gegröle der Mitbewohner zum Schafott getrieben. Wegen der quiekenden, brüllenden und schreienden Tiere haben die Metzger ihre Schlachtplätze an die Ränder der Dörfer verlegt. Aber auch zum Schutz der Tiere waren die Schlachtplätze außerhalb; von der Qual ihres bevorstehenden Endes sollten sie nichts mitbekommen. 

Die noch heute oft verwendete Redewendung 'eine Sau durchs Dorf treiben' stammt aus den beschriebenen früheren Tagen, wird aber heute noch für unfaire und andauernde Medienschelte verwendet. Unser Ex-Bundespräsident Christian Wulff kann davon ein Lied singen: gnadenlos wurde er von den Medien gejagt, sein Privatleben wurde akribisch durchwühlt und der Öffentlichkeit zum Fraß vorgeworfen. Wie das Fleisch eines geschlachteten Schweines, in seinem Fall bedeutete dies für ihn den sozialen Tod.

Dass am Ende einer solchen Medienhatz auch der psychische Tod stehen kann, zeigt u.a. das Beispiel von Amy Winehouse, die von den Medien über viele Jahre durchs Dorf getrieben wurde. In ihrer Biografie wurde diese gnadenlose Jagd damit beschrieben, dass sie auch noch nach ihrem Tod unter dem Mikroskop der Medien beobachtet und seziert wird.

Politiker, und das hat die Geschichte immer wieder bestätigt,  die unter dem Mikroskop der Medien stehen, sind in der Regel schon zu Beginn der Untersuchung tot. Nur wenige haben diese brutale Sezierung überlebt. Zu ihnen gehört, und das kann man bedenkenlos behaupten, der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle. Zu Beginn seiner Amtszeit wurde er von den Medien durchleuchtet wie kein anderer zuvor. Womöglich hatte seine Medienschelte 'Ihr kauft mir den Schneid nicht ab' mit dazu geführt, dass sich die Medien wie Geier auf ihn stürzten. Mit viel Mühen und einigen Blessuren konnte er dem Weg zum Henker entkommen. Sein unverrückbares Nein zu einer Beteiligung im Libyenkrieg war anerkennenswerte und vorausschauende Friedenspolitik für unser Land. Auch dafür gab's Schelte; heute weiß man, dass seine Haltung unserem Land den Terror vom Halse gehalten hat. Doch die Hatz ging weiter, am Ende sind der Parteivorsitz, sein Ministeramt und letztlich sogar seine gesamte Partei auf der Strecke geblieben. Ganz übel wurde ihm mitgespielt.

Wer Deutschland regieren will, kann dies nicht gegen die 'Bild' Zeitung und das Fernsehen tun. So ähnlich formulierte Altkanzler Gerhard Schröder die Machtverhältnisse in unserer Heimat. Auch er kann sein Lied von der unqualifizierten Meinungsmache der Medien singen. Ihm wäre es bei seiner letzten Wahl fast noch gelungen, gegen die flächengreifende Meinungsmache der Presse als Sieger hervorzugehen. Ein Kraftakt, den jeder Politiker nur einmal in seinem Berufsleben schaffen kann. Schröder hat als Kanzler unser Land für die Zukunft gesichert, das weiß man heute, doch keiner will ihm das zugestehen. Klein beigeben war noch nie Sache der Presse. Und entschuldigen schon gar nicht.

In bisher ungewohnter Härte und ganz übel ist der gerade begonnene Sautrieb der FAZ gegen den CDU-Politiker Philipp Mißfelder. Zwei seiner besten Seiten widmete das Blatt am vergangenen Sonntag dem außenpolitischen Sprecher seiner Fraktion. Überschrieben wurde der in ungewöhnlicher Aufmachung gestaltete Text mit: 'The Russian Ambassador - ein Mann will nach Osten.' Inhalt und Gestaltung erinnern stark an die Landser Groschenhefte der Nachkriegszeit; kaum zu glauben, dass ein solcher Auftritt in dem eigentlich als seriös geltenden Kampfblatt wertkonservativen Gedankengutes möglich ist. 

Doch um was geht es? Es geht darum, dass der Jungpolitiker einem Redakteur der Zeitung ein Interview verweigerte. Mehrmals. Man wollte ihn zu seiner Reise auf die Geburtstagesfete von Altkanzler Schröder nach St. Petersburg befragen. Dort saß er gemeinsam mit dem Jubilar und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an einem Tisch. Nicht alleine, an die hundert weitere Personen waren zugegen. Weil der FAZ die Äußerung, dass dies eine Privatreise war, die er auch privat beglichen habe, nicht ausreichte, wurde insistiert. Die Fragen wurden so gestellt, dass jede objektive Antwort unmöglich war. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als das unqualifizierte Bedrängen von seinen Anwälten abwehren zu lassen. 

So was kennt man von der FAZ nicht. Entweder spurt der Delinquent - oder es gibt einen qualvollen Tod. Noch ist es keine Treibjagd wie einst bei Wulff, Westerwelle und Schröder, es spricht jedoch alles dafür, dass die ehrbare 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' Mitstreiter zur Tötung des CDU-Politikers sucht. In dem Artikel stehen keinerlei Fakten, alles nur Mutmaßungen und Verleumdungen mit ehrabschneidendem Charakter. Es macht wirklich keinen Sinn, die Einzelheiten hier aufzuführen. Mißfelder kann Kanzler, und davor hat man bei der FAZ Angst. Ein Politiker, der nicht mit Karteikarte und Rechenschieber großgeworden ist, beurteilt die globale politische Entwicklung realistischer als so mach Altvorderer. Und das passt den Ewiggestrigen nicht. Dass sich die Zeitung, hinter der angeblich immer 'ein kluger Kopf dahinter steckt' zum Sprachrohr der unverbesserlichen Russlandhasser macht, ist unverständlich. Zu Lebzeiten von Frank Schirrmacher, auch wenn diese Hetzschrift nicht zu seinem Ressort gehörte, wäre in seiner Zeitung die Veröffentlichung einer solchen Nullnummer höchstwahrscheinlich verhindert worden. Niemals stellte er Personen in den Mittelpunkt seiner Recherchen, allenfalls deren Ansichten. Im vorliegenden Fall wird dieses Prinzip des rechtschaffenden Journalismus auf fatale Weise auf den Kopf gestellt.

Die klugen Köpfe der FAZ sind Gott sei Dank ihre Leser. So jedenfalls stellt sich das Blatt seit langem der Öffentlichkeit vor. Die Schmähschrift über den jungen CDU-Politiker legt nahe, dass im Inneren des Blattes der Substanzverlust deutlich zugenommen hat.

In diesem Sinne beste Grüße aus der Ferne.

Michael