Michael Schultz Daily News Nr. 708

Michael Schultz Daily News Nr. 708

Berlin, den 25. Juni 2014

Liebe Freunde,

bei der WM in Brasilien läuft für die deutsche Truppe augenblicklich alles nach Maß. Erst hat es die Spanier erwischt, und gestern Abend nun auch die Italiener. Beide großen Angstgegner sind damit vom Feld; Stolpersteine, die auf dem Weg zum Titel ohne eigenes Dazutun aus dem Weg geräumt wurden. Morgen noch ein 2:2, ein 1:1 aber auch ein Torloses 0:0 und mit Portugal ist der nächste Mitfavorit aus dem Turnier.

Im Spiel der Italiener gegen das Team aus Uruguay hat der Schiedsrichter mit dem Platzverweis gegen Marchisio eine vielleicht Spielentscheidende Fehlentscheidung getroffen. Und kurz vor Schluss wurde eine Beißattacke von Suarez übersehen, dafür hätte er dem Superstürmer tiefrot zeigen und Italien einen Elfmeter geben müssen. Doch das Spiel ist zu Ende und am Ergebnis wird es nichts mehr zu rütteln geben, auch wenn sich die Fifa den Beißer zur Brust nehmen will. Die Italiener haben aber auch verloren, weil sie sich mit 6 Mann hinten reingestellt haben und vornehmlich ein 0:0 über die Runden bringen wollten. Damit wären sie weitergekommen. Erst als zehn Minuten vor Schluss das 0:1 gefallen war, fing die Truppe von Cesare Prandelli mit Druck nach vorne an zu spielen. Genützt hat es nichts mehr; das Team fährt nach Hause und der Trainer hat seinen Hut geworfen. Bei allem Bedauern über die Rolle des Unparteiischen ist unter deutschen Fans eine klammheimliche Freude über das Ausscheiden kaum zu verbergen. Das 1:2 im Halbfinale der letzten Europameisterschaft sitzt noch immer tief.

Dass Jogi Löw nicht nur Fußball im Kopf hat, wissen die wenigsten. In seiner Freizeit gibt er sich als Schöngeist und beschäftigt sich mit der kulturellen Vielfalt des Abendlandes. Er geht gern ins Theater, liest gute Bücher, hat einige Bilder an der Wand, und hat sich in die Schauspielerin Karoline Herfurth verknallt. Vor einiger Zeit schrieb er ihr einen Brief, in dem er ihr mitteilte, dass er sie als Schauspielerin sehr schätze. Mehr nicht - eben Jogis Art, seine Gefühle zu zeigen. Auf die Rückantwort der Schauspielerin hat er dann nichts mehr von sich hören lassen. Er mags halt gerne heimlich, am liebsten so, dass die Verehrte zwar was spürt, aber nichts Genaues weiß. In seinem Job tickt er gottseidank etwas klarer.

Ein Gemälde aus Claude Monets weltbekannter 'Seerosen'-Reihe ist in London für knapp 40 Millionen Euro unter den Hammer gekommen. Erworben wurde es von einem anonymen Bieter, der damit den zweithöchsten Preis für ein Bild des französischen Malers auf einer Auktion bezahlte. Dies war auch der Höhepunkt der Auktion, bei der auch Werke von Mondrian, Manet, Picasso, Max Beckmann und Wassily Kandinsky den Besitzer wechselten.

Mit seiner letzten Ausstellung am alten Ort feiert das New Yorker Whitney Museum Jeff Koons. Bis Ende Oktober wird im gesamten Bau an der Madison Avenue eine umfassende Retrospektive des amerikanischen Künstlers gezeigt. Mehr als 130 Werke sind in der Show zu sehen. 'Ich mache seit vier Jahrzehnten Kunst. Jetzt ist mein ganzes Leben auf einem Haufen zu sehen, ist schon interessant,' sagte Koons während der Vorbesichtigung.

Vor dem Arbeits- und Sozialgericht in Wien hat der Prozess des Ex-Intendanten Matthias Hartmann gegen das Wiener Burgtheater begonnen. Er erhoffe sich Gerechtigkeit, Transparenz und Klarheit sagte der Ex-Theater Chef und fordert für die aus seiner Sicht unberechtigte Entlassung eine Ausgleichszahlung in Höhe von 2 Millionen Euro. Vom Arbeitgeber wird ihm vorgeworfen, dass er über die undurchsichtige Buchführung Bescheid wusste, die dem Haus in der Spielzeit 2012/13 einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe eingebracht hat. In Österreichs Theaterszene wartet man mit Spannung auf das Urteil.

Die Ukrainische Waffenruhe steht auf der Kippe: Nachdem ein Militärhubschrauber abgeschossen wurde, hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mit einer Aufhebung der Waffenruhe gedroht. Russlands Präsident Wladimir Putin schlug vor, die Waffenruhe zu verlängern, damit Verhandlungen beginnen könnten. Die USA haben Russland aufgefordert, Militäreinheiten von der Grenze abzuziehen und begrüßten die Aufhebung der Erlaubnis für einen Einmarsch ins Nachbarland durch das russische Parlament.

Im Irak wollen Angesichts des Isis-Vormarsches Schiiten, Sunniten und Kurden eine gemeinsame Regierung bilden. Militärschläge der USA gegen Isis seien ohne einen neue irakische Regierung nicht zu verantworten, sagte der US- Außenminister. In einer Woche trifft das irakische Parlament zusammen, um Präsident, Ministerpräsident und Parlamentssprecher zu wählen. Nach UNO-Angaben sind über 1000 Menschen durch die Isis getötet worden. Isis soll auch den Richter von Saddam Hussein hingerichtet haben.

Wegen seiner unverhohlenen Bereitschaft auch notfalls in den Krieg ziehen zu wollen, nannte der Brandenburger Landtagsabgeordnete Norbert Müller Bundespräsident Joachim Gauck auf seiner Facebook-Seite einen "widerlichen Kriegshetzer". Die Staatsanwaltschaft prüft nun Ermittlungen. Gauck hatte zuletzt bekräftigt, dass Deutschland stärker internationale Verantwortung übernehmen sollte; notfalls auch militärische Mittel einsetzen sollte. Man muss ja nicht unbedingt ein Freund der Linken sein, doch wenn der Äußerung des Bundespräsidenten nachgekommen wird, steht der Terror vor unseren Haustüren. Mit seiner kategorischen Ablehnung, am Irak-Krieg teilzunehmen, hat uns diesen Altkanzler Gerhard Schröder bis in die heutige Zeit vom Halse gehalten.

In diesem Sinne, beste Grüße.

Michael

 

 

tags