Michael Schultz Daily News Nr. 702

Michael Schultz Daily News Nr. 702



Berlin, den 17. Juni 2014

Liebe Freunde,

'alles Müller oder was?' - gestern Abend hat der Bayern Stürmer Thomas Müller bei der bundesdeutschen Premiere der Fußball-WM die Portugiesen fast im Alleingang besiegt. Beim 4:0 Sieg erzielte er drei der vier Treffer, den vierten steuerte der Dortmunder Mats Hummels mit einem  fulminanten Traumkopfstoß dazu. Es war kein berauschendes Spiel, aber sehr, sehr effektiv. Die Kanzlerin war mit an Bord und gratulierte dem Team hinterher in der Duschkabine. Sie dankte den Fußballern für deren grandiose Leistung und ließ sich mit der Nationalmannschaft ablichten. Kein offizielles Foto - aber ein Schnappschuss der über Regierungssprecher Seibert ins Netz gestellt wurde. Lukas Podolski nutzte die Gelegenheit und schoss ein 'Selfie' Seit an Seit mit Angela Merkel. So kann's weitergehen.

Eine Beschäftigung bei einem der beiden einst führenden deutschen Staatsunternehmen, Post und Bahn  war schon immer nichts Besonderes. Die Heimat der Perspektivlosen wurden sie genannt, noch treffender war der Slogan: wer nichts ist und wer nichts kann, der geht zur Post oder geht zur Bahn. Vieles daran hat sich bis heute nicht geändert. Der ehemalige Bahnchef Mehdorn musste wegen 'Bockigkeit' das Unternehmen verlassen, war kurzeitig und ohne messbaren Erfolg bei Air Berlin, und beweist seit geraumer Zeit seine Qualitäten bei der Sanierung der Bauruine des Berliner Flughafens. Jetzt bescheinigen ihm die Rechnungsprüfer der EU-Kommission 'vielfältige Fehler' und 'Schwäche im Management'. Neben den technischen Problemen, die anscheinend nicht zu bewältigen sind, gewähren die Banken keine Kredite mehr; selbst die Auszahlung aus bestehenden Kreditverträgen wurde eingestellt, weil es für die Baustelle keine nachvollziehbare Kostenprognose gibt.

Heute weiß man, auch weil man hinterher sowieso immer schlauer ist, dass Mehdorn die bestmöglichste Fehlbesetzung war. Ein Abgleich auf seine Referenzjobs hätte die Nominierung verhindern müssen, doch das hatte man anscheinend versäumt.  Bei seinem vorvorherigen Arbeitgeber, der Bahn, wird ab dem 1. Januar 2015 der ehemalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla seinen Dienst antreten. Pofalla stammt aus einfachen Verhältnissen, für ihn gleicht die Berufung in die Führungsebene der Deutschen Bundesbahn einer Auszeichnung. Wenn alles planmäßig läuft, könnte er in einer nachfolgenden Beförderung die Rekultivierung der BER-Baustelle beaufsichtigen. Ein Schwarzer in grüner Mission - könnte gut sein, dass ihn die Kanzlerin deshalb freigestellt hat. Den Grünen passt das überhaupt nicht in den Kram: deren Chef Hofreiter kritisiert den Wechsel und spricht offen von Korruption.  

Der neue Berliner Kulturstaatsekretär Tim Renner hat die Kultur der Umgangsform in seinem Ressort verändert. Dort wird sich geduzt, das beseitigt Barrieren und stellt Augenhöhe her. So entsteht ein neues Wir-Gefühl, und das motiviert. Chapeau. 

In der kriegerischen Auseinandersetzung im Irak entsenden die USA eine Spezialeinheit in das Land: 275 Soldaten, die auch für Kampfeinsätze ausgerüstet sind, werden nach Bagdad geschickt. Zuvor hatte die US-Regierung eine militärische Zusammenarbeit mit dem Iran abgelehnt. Mit einem Referendum will sich die kurdische Armee das eroberte Gebiet zu Eigen machen. Die ISIS-Organisation soll über ein Milliardenvermögen verfügen, und  Saddam Husseins Ex-General Issat Ibrahim al-Douri gilt als wichtigster Drahtzieher.  UNO-Menschenrechtskommission sieht deutliche Hinweise auf Kriegsverbrechen der Islamisten,  hunderte gefangene Iraner wurden von ISIS-Kämpfern kaltblütig ermordet. Schlagzeilen des Tages. 

Das was vielen deutschen Haushalten immer mal wieder passiert, geschieht jetzt einem ganzen Land: wegen nicht bezahlter Rechnungen  drehen die Russen der Ukraine den Gashahn zu. Im Kleinen ist das nichts Ungewöhnliches, im Großen aber ein Desaster.  EU-Energiekommissar Günther Oettinger befürchtet europaweite Auswirkungen und will für den Winter gemeinsam mit den USA, Kanada und dem IWF eine großangelegte Energieunterstützung für die Ukraine organisieren. Um eine Verelendung der Betroffenen zu verhindern, übernimmt im Kleinen das Sozialamt die Begleichung. Im Großen wäre das auch möglich. In der Sprache der Banker wären fünf Milliarden Dollar für die EU auch nicht mehr als ungeschälte Peanuts. Weil das Geld aber nach Russland geht, tut man sich damit schwer. Schulden sind halt doch nicht gleich Schulden. Wie so Vieles in der Politik, ist auch das überhaupt nicht nachvollziehbar. 

In Brandenburg wurde erstmals eine Kooperation zwischen CDU und AfD beschlossen.  Im Elbe-Elster-Kreis bilden 18 CDU-Abgeordnete mit einem AfD-Abgeordneten eine Fraktion. Dieser wurde  als Einzelabgeordneter in die Gemeinschaft aufgenommen, doch sei dies kein Signal für die bundespolitische Ebene.  Betont man. Auf Bundesebene will die Führung der Unionsfraktion die CDU-interne Debatte über den Umgang mit den Eurokritikern beenden. In allen Parteigremien bestehe angeblich Einigkeit, dass es keine politische Zusammenarbeit geben werde. Doch, wenn die AfDler zur Mehrheitsbeschaffung benötigt werden, ist diese Einigkeit ganz schnell Makulatur. Gut möglich, dass die Deutschnationalen als 'Fleisch vom Fleische' der CDU ganz schnell zu deren Traumpartner aufsteigen. Schneller als einst die Grünen zur SPD.

Heute wird in Basel die weltweit bedeutendste Kunstmesse eröffnet. Zum Saisonfinale der 'Art Basel' beendet der Messezirkus mit einem absoluten Highlight sein Jahresprogramm. Ein Treffpunkt der Reichen und Schönen werden die bis morgen anhaltenden Eröffnungsveranstaltungen sein. Danach, wenn die Stände leergekauft sind, werden die Tore fürs Volk geöffnet. Zu sehen gibt es auch dann noch genügend.

Beste Grüße.

Michael