Michael Schultz Daily News Nr. 695/96

Michael Schultz Daily News Nr. 695/96



Berlin, den 6. Juni 2014

Liebe Freunde,

das wohl heißeste Pfingstfest seit mindestens 50 Jahren steht bevor. Heiße Luft aus dem Süden sowie das Hoch 'Wolfgang' kümmern sich um wohltuende  Temperaturen. Passend zum guten Wetter gibt es heute in unserer Pfingstdoppelnummer mal wieder eine bunte Mischung vielfältiger Nachrichten. Unsortiert und in der Abfolge völlig beliebig. Wichtigste Meldung des Tages könnte sein, dass Franz Beckenbauer für seinen Knastbesuch bei Uli Hoeneß bereits einen Antrag gestellt hat. So zumindest kommt es aus dem Ticker: 'Er hat nur zweimal zwei Stunden im Monat Besuchszeit, die sind natürlich zunächst seiner Familie vorbehalten. Aber ich habe mich schon angemeldet'. Er hoffe auch, dass Hoeneß nach drei Monaten schweren Kerkers seine Haftzeit als Freigänger absitzen darf. Unterdessen erreichte die Basketballabteilung der Bayern das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Es geht gegen ALBA Berlin - warm anziehen.

Weil ein Autofahrer in Heilbronn mit seinem Cabrio in ein Schlagloch gefahren ist, muss die Stadtverwaltung jetzt für den Schaden aufkommen. Dies entschied das Landgericht, weil nach Überzeugung der Richter die Kommune ihrer Verkehrssicherheitspflicht nicht nachgekommen sei.  Der schaden beträgt 300 Euro. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird wohl eine Flut der Begehrlichkeit auf die klammen Kommunen zukommen. Viele Schrottlaubenbesitzer restaurieren künftig ihre Fahrzeuge auf Staatskosten.  

Sehr zum Ärger alteingesessener Kleinstbrauereien hat sich das Suchtverhalten deutscher Biertrinker extrem verändert: es wird weniger getrunken, dafür aber immer mehr Alkoholfreies. Jede 20. Bierflasche ist ohne, und das entspricht in Summe 480 Millionen Liter rauschlosen Biers. Kenner verachten die Plärre und vergleichen es mit Sex ohne Partner. Mit dem ersten Schluck sei der Durst gelöscht - und was dann? Beim alkoholfreien verzichte man gänzlich auf das Nachspiel.  Da ist was dran.

Eine große Rochade im sogenannten SDAX erfreut den deutschen Fußballwesten: Air Berlin und der Druckmaschinenhersteller  König & Bauer fliegen raus, dafür spielen der Baumarkt-Filialist Hornbach und Borussia Dortmund künftig in der dritten Liga des Börsensystems. Den Aufstieg will die Deutsche Bank zum Anlass nehmen, um sich über eine Kapitalerhöhung bei den Borussen zu beteiligen. Zeit wird's, dass sich deutsche Großunternehmen verstärkt bei den westdeutschen Sympathieträgern engagieren. Laut Auskunft der Bank soll mit diesem Engagement 'dauerhaft den Bayern Paroli geboten' werden.  

Wie es nach Auskunft der europäischen Zentralbank geht, sollen die Banken künftig ohnehin mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Wenn diese zu viel Flüssiges bei der Notenbank parken, sollen dafür in Zukunft Strafzinsen erhoben werden. In einem gestern beschlossenen Antikrisenpaket will die EZB einen drohenden Preisverfall verhindern. Billiges Geld soll auf den Markt, neue Notkredite sollen bewilligt werden; zu diesem Zwecke wurde der Leitzins auf das Rekordtief von 0,15% gesenkt. An der Börse verursachte diese Entscheidung erstmals den DAX-Sprung über die 10.000er Marke. Leittragende sind die Sparbuchbesitzer. Unterm Strich erwirtschaftet der Klassiker deutscher Sparsamkeit ein sattes minus. Inflationsbereinigt liegt dieses bei etwas mehr als einem Prozent. Sparen loht sich nicht mehr, zum Werterhalt oder gar Steigerung sollte die Anlageform verändert werden.

Seit langem schon fließt der Geldstrom verstärkt in attraktive Alternativen: in New York versteigert der Auktionsgigant Sotheby's gerade ein Konvolut Zeichnungen und Manuskripte des EX-Beatles John Lennon. 89 Lose wurden angeboten und allesamt sind weit über den Schätzungen zugeschlagen worden. Den Höchstpreis erzielte eine Sherlock Holmes-Parodie, für die alleine 209.000 Dollar bezahlt wurden. Vor gut zwei Wochen wurde für den Rekordpreis von 2.519 Millionen Euro eine Comiczeichnung von Tim und Struppi versteigert. Erwartet waren 900.000 Euro, auch das war schon ganze schön üppig. Zu Kunstgegenständen, alten Uhren und Oldtimern gesellen sich neuerdings die Devotionalien. Wenn die Provenienz stimmt, erzielen selbst benutze Bierdeckel gute Ergebnisse.  

Große Aufregung gabs vor einigen Tagen zum angeblichen Schweinfleischanteil in  'Cadbury'-Schokoladensorten. Im moslemisch geprägten Malaysia soll Schweine-DNA gefunden worden sein. Dies führte zu Boykottaufrufen, und veranlasste u.a. die Sittenwächter in Saudi Arabien zu einer genaueren Untersuchung. Doch die Aufregung währte nur kurze Zeit. Bei Nachtests wurde nichts mehr festgestellt,  jetzt vermutet das malaysische Islam-Ministerium, dass die ursprünglichen Proben manipuliert waren. Der amerikanischen Traditionsmarke wird von extremen Glaubenswächtern immer mal wieder die Verwendung von Blutplasma bei der Schokoladenproduktion vorgeworfen. In den 60iger Jahren überzog eine Boykottkampagne der Bibelforscher (Zeugen Jehovas) den amerikanischen Schokoladenriesen. Haften bleibt immer was, besonders unter Extremisten. Zu hoffen bleibt, dass das vielseitige Produkt dadurch nicht vom Markt verschwindet. 

Der schwerreiche Sultan von Brunei ist nicht nur oberster Regent seines Landes, ihm gehört u.a. die Dorchester-Hotelgruppe, in der eine ganze Reihe angesehener Luxusherbergen beheimatet ist. Zu Hause im Sultanat wurde auf seine Veranlassung das muslimische Scharia-Strafrecht eingeführt. Dies führte zu einer Stornierungswelle in seiner Hotelkette.  Die Promis wollen u.a. nicht mehr im 'Beverly Hills Hotel' absteigen, aber auch nicht in den Pariser Luxushäusern 'Plaza Athénée' und  'Le Meurice'.  Der Boykott wurde von US-Talkmasterin Oprah Winfrey ins Leben gerufen.

Vom Bonner Sammlerpaar Opitz-Hoffmann reichlich beschenkt wurde die Sammlung Jena. Mehr als 1000 Kunstwerke von 208 zumeist zeitgenössischen Künstlern wurden der städtischen Sammlung vermacht. Dabei sind Werke von Stephan Balkenhol, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Sol LeWitt, Martin Kippenberger, Thomas Ruff und vielen anderen. Die Schenkung umfasst ausschließlich Arbeiten auf Papier, Zeichnungen, Drucke, Fotos und Plastiken. 

'Russland sendet Signal der Anerkennung' vermeldet gestern der 'Deutschlandfunk':  Der russische Botschafter Michail Surabow wird an der offiziellen Zeremonie zur Amtseinführung von Petro Poroschenko teilnehmen. Unterdessen traf sich Putin mit dem französischen Präsidenten Hollande und dem Briten Cameron. Die Gespräche signalisieren leichte Entspannung im West-Ost Konflikt. Heute will sich am Rande der D-Day Feierlichkeiten Bundeskanzlerin Merkel mit Putin treffen. Ob es zu einem Gespräch zwischen ihm und dem amerikanischen Präsidenten Obama kommt, ist noch unsicher.  Russland kauft derweil zwei Kampfschiffe aus Frankreich und baut auf der annektierten Krim Häfen aus. 

Nach ihrem Wahlerfolg bei der Europawahl baut die AfD auch bei der bundespolitischen Stimmung ihren Wähleranteil aus. Stress gibt es zwischen AfD-Chef Lucke und CDU Fraktionschef Kauder:  Lucke wirft Volker Kauder Argumentationsschwäche vor, besonders weil die AfD viele alte Positionen der Union vertrete. Er reagierte mit diesem persönlichen Angriff auf die Ankündigung von Volker Kauder, nicht mit AfD-Politikern in Talkshows auftreten zu wollen. Es sei blanke Angst, die aus dem CDU-Fraktionschef spreche. Unmut herrscht unter den AfD-Anhängern auch gegen einige Medien. Eine Gruppe von AfD-Mitgliedern hat die Wähler der Partei dazu aufgefordert, ihre Zeitungsabonnements zu kündigen. Damit wollen AfD-Mitglieder gegen die als unfair empfundene Berichterstattung über ihre Partei  vorgehen. Die Luft wird dünn bei den Nationalen - jetzt schon. 

Schlussendlich empfehle ich heute den Blick auf unsere Webseite. Dort haben wir im Newsticker ein Portrait des 'Schwarzwälder Boten' über mich gepostet. Die Zeitung habe ich in frühester Jugend mal ausgetragen. 

Frohe Pfingsten.

Michael